07.03.2003 19:20

 

Nicht immer bei Null anfangen

 
 
 
Würzburg (hic) Technik war der 72-jährigen Helga Kraemer immer ein bisschen unheimlich, der Computer eine "bessere Schreibmaschine". Wenn sie versuchte, mit einem Programm zu arbeiten, passierten immer wieder "die dollsten Dinge, aus denen ich dann nicht mehr raus gekommen bin", sagt sie.

 

Seit zwei Monaten besucht sie das Würzburger "Internetcafé von Senioren für Senioren" im Caritas-Seniorenzentrum St. Thekla. Zehn solcher Cafés gibt es in Unterfranken, in ganz Bayern sind es etwa 50.

Um in Zukunft besser zusammenarbeiten zu können, haben sich zwölf dieser Cafés, darunter auch das Würzburger, unter dem Dachverband "Bayerisches SeniorenNetzForum" (BSNF) zusammen geschlossen. Die Gründungsversammlung war am gestrigen Freitag in Erlangen. Die Mitglieder haben Träger wie Kirchen oder Wohlfahrtsverbände und Angebote von Internetcafés über Kurse und Freizeitangebote. Ziel ist unter anderem, mehr Senioren mit dem Internet vertraut zu machen und durch die Technik eine neue, selbstorganisierte Form der Seniorenarbeit zu entwickeln, heißt es in einer Pressemitteilung.

Die Koordination hat eine Forschungsgruppe des Instituts für Psychologie der Universität Erlangen, die sich unter anderem mit dem Thema Lernen beschäftigt. "Der Trend geht zum lebenslangen lernen", sagt der Leiter des Instituts Walter Kugemann. "Die Wissensvermittlung muss von einzelnen Institutionen auf andere Formen wie das Internet übertragen werden."

In Zukunft wollen sich die Mitglieder mit ihrem Wissen nicht nur gegenseitig helfen, sondern auch Neugründungen unterstützen. "Jeder musste bisher bei Null anfangen, wenn er ein eigenes Café gründen wollte", sagt der Initiator des Würzburger Cafés, Herbert Schmidt aus Hafenlohr. "Senioren sind die am stärksten wachsende Bevölkerungsgruppe, die an Computer herangeführt wird", sagt Schmidt. "Sie haben oft keine Ahnung, werden aber von ihren Enkeln gedrängt, damit sie ihnen endlich E-Mails schreiben können."