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Foto: FOTO THERESA RUPPERT |
Renate Doenst ist die älteste Besucherin der Aktivgruppe "Internetcafé
,Von Senioren für Senioren' - Würzburg". Die Gruppe wurde im April 2000
von Herbert Schmidt gegründet und will älteren Mitbürgern den Umgang mit
dem Computer schmackhaft machen.
Gutgelaunte Leute, die wie gebannt vor der Computermattscheibe
sitzen, das "Universum des Internets" erkunden und über Excel, Bits und
Bytes fachsimpeln: Nach altmodischen einsamen Senioren kann man im
Internetcafé für Senioren lange suchen. "Die neue Herausforderung hält
die Leute jung", sagt Peter Wisshofer, einer der Helfer, die hier den
Menschen beim Umgang mit dem Computer zur Seite stehen. Außerdem sei das
Internetcafé auch für kontaktscheue Senioren eine gute Möglichkeit, neue
Freunde zu finden - sei es im Chatroom oder im sehr familiär gehaltenen
Café selber.
"Es ist schön, dass immer jemand da ist, der mir hilft", meint
Stammgast Eva Nitzsche, die sich im Internet gerade über ihr größtes
Hobby, die Pferde, informiert. Die Helfer betreuen die Senioren mit viel
Geduld. "Es gibt viele, die sich schon immer für Computer interessiert
haben, aber die Enkel oder sonstige Familienangehörige hatten nie die
Geduld, alles lange zu erklären. Wir gehen da viel langsamer vor", so
Wisshofer. Es werden auch Workshops angeboten, um Word-Kenntnisse zu
vermitteln. Besucht werde das Internetcafé von Leuten zwischen 55 und 81
Jahren, und auch Menschen mit Körperbehinderungen seien herzlich
eingeladen.
"Ich sehe den Fortschritt, und es ist wichtig, dass man mithalten
kann", meint Gerlinde Stark, 62 Jahre alt. Das sieht Herbert Schmidt
genauso: "Ich habe gemerkt, dass die ganzen Alten rausgebeten worden
sind." Dieser Entwicklung wollte er entgegenwirken, und die Diskussion
zwischen Jung und Alt neu anregen.
Deshalb hat er auch eine Homepage mit dem Lehrstuhl für
Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik ins Leben gerufen,
auf der sich "alte Hasen" und die Jungen austauschen können.
Auch für die ganz Jungen hat man sich was einfallen lassen: Einmal
pro Woche vermittelt Paul Weissinger, einer der Helfer im Internetcafé,
in der Burkarder Volksschule Würzburg den Kindern erste Kenntnisse in
Textverarbeitung. "Die Kinder opfern dafür sogar ihre Pausen", erzählt
Herbert Schmidt.
Die Aktivgruppen gibt es mittlerweile in Ochsenfurt, Schweinfurt,
Marktheidenfeld, Marktbreit, Aschaffenburg und Kitzingen. Und es werden
nationale und sogar internationale Chattertreffs organisiert.
Herbert Schmidt und seine Helfer arbeiten ehrenamtlich. Besonders der
Anfang sei schwer gewesen, die Computer mussten ja erst angeschafft
werden, erklärt er. Die Stadt habe zwar etwas Startgeld gegeben, und man
erhalte immer noch kleine Zuwendungen. Dennoch sei man auf Sponsoren
angewiesen. Um die hohen Telefonkosten durch die Internetnutzung
abzudecken, zahlen die Besucher 2,50 Euro die Stunde.
Bisheriger Höhepunkt der Arbeit war die Verleihung des
Bürgerkulturpreises 2002 durch den Bayerischen Landtag. Für die Zukunft
hat die Aktionsgruppe ein Schulungsprogramm und ein zweites Internetcafé
in Würzburg, wahrscheinlich im Westen der Stadt , geplant. "Es gibt
viele Anfragen von Leuten, die kommen wollen, aber es ist für sie zu
weit weg."
Adresse: Caritas-Seniorenzentrum
St. Thekla, Ludwigkai 12, 97072
Würzburg, Tel. (09 31) 7 84 77 35.
Öffnungszeiten: Dienstag 9 -12
Uhr, Mittwoch 14 - 17 Uhr
Internet: www.stufr.de |