28. Januar 2003

 

"Mein Opa arbeitet wieder"

 
"Früher war mein Opa mal Rentner, jetzt arbeitet er wieder", so beschreibt seine achtjährige Enkeltochter Caroline sein "Treiben": Er selbst sieht sich als "Unruheständler" mit einer 35-Stunden-Arbeitswoche. Fakt ist: Herbert Schmidt aus Hafenlohr-Windheim (Lkr. Main-Spessart) ruht sich keineswegs auf seinem Altenteil aus und leidet auch nicht unter Langeweile.
 
Vor drei Jahren eröffnete der 65-Jährige das erste von inzwischen sieben "Internetcafes von Senioren für Senioren" und das achte hat er bereits in Planung für 2003. Im Sommer diesen Jahres richtete er zusammen mit Professor Rainer Thome das Programm "CSC-Contact and Science Center" an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg ein.

Mut macht, wenn Senioren nicht zum alten Eisen gehören

"Ziel dieses Projekts ist es, die Studenten dort mit ehemaligen Führungskräften aus der Wirtschaft zum Erfahrungsaustausch zusammenzubringen", erklärt er. Für dieses Engagement und seine Senioren-Internetcafés erhielt der 65-Jährige am 4. Dezember aus den Händen von Johann Böhm, dem Präsidenten des Bayerischen Landtags, den mit 10 000 Euro dotierten Bürgerkulturpreis 2002.

"Wir sind stolz, unter 40 Bewerbungen den Preis erhalten zu haben", sagt Schmidt und betont: "Ohne meine Truppe mit den vielen ehrenamtlichen Helfern wäre das nie möglich gewesen." Mehr als 25 Freiwillige hat Schmidt inzwischen um sich geschart. Sie betreuen die Internetcafés in Würzburg, Schweinfurt, Aschaffenburg, Ochsenfurt, Marktbreit, Kitzingen und Marktheidenfeld, kümmern sich um die Buchführung, die Finanzen und gehen "betteln", wie es Schmidt lakonisch nennt. "Ohne unsere Sponsoren wäre das alles nicht möglich gewesen."

Er selbst sieht sich keineswegs als "Oberguru", sondern packt da mit an, wo es notwendig ist. Hartnäckig und mit dem ihm eigenen Charme knüpft er Kontakte, erschließt neue Geldquellen und setzt neue Ideen in die Tat um. "Ich war in meinem Beruf immer so aktiv und verantwortlich für große Projekte, da kann ich nicht in den Ruhestand gehen und einfach nichts mehr tun", begründet er mit einem verschmitzten Grinsen seine Aktivitäten.

Seine Frau Editha unterstütze ihn wohlwollend und stehe hinter ihm, sonst könne er das alles gar nicht bewältigen, sagt er. "Wenn ich zu Hause bin, bin ich sauber aufgeräumt", lacht der 65-Jährige. "Da sitze ich nämlich vor meinem Computer."

Noch viel mehr Senioren möchte Schmidt "ans Netz" bekommen. "Meine Vision ist es, den älteren Menschen das Internet nahe zu bringen und ein Netzwerk aufzubauen", sagt er, der das weltweite Netz seit mehr als zehn Jahren beruflich und privat nutzt und sich alles, was er heute darüber weiß, selbst beigebracht hat.

"Learning by doing" ist und war seine Devise, und genau die vermittelt er den Senioren in den Internetcafes auch heute. "Wir holen jeden da ab, wo er ist und arbeiten mit ihm", erklärt er. "Und es ist ein tolles Erlebnis, wenn die Leute nach einer Zeit dann am Rechner sitzen und klar kommen, ohne dass sie Hilfe brauchen."

So lange er da aktiv sein könne, kenne er keine Langweile, verrät Schmidt. "Ich kann mir meine Zeit frei einteilen, ich bin mein eigener Herr, was will ich mehr?"

 

Bericht und Foto: Martina Schneider