24.3.2003
Computer verbindet Generationen
 
 
WÜRZBURG "Wir haben doch alle Enkel - klar setzen wir uns ein!", sagt Herbert Schmidt, der die Internetcafés von Senioren für Senioren gegründet hat. Bei einem Pressetermin fürs VOLKSBLATT erläutert er, was Paul Weissinger in der Burkarder Grundschule zu suchen hat: Die Senioren unterrichten die Viertklässler am Computer.
 
 
  Foto: FOTO STEFAN POMPETZKI


Eine Computer-Spende war der Kick für das heutige Projekt. Schulleiterin Jutta Forster stand nach der großzügigen Spende zunächst zwar mit den modernen Apparaten, aber ohne Helfer da. Eigentlich hätten ja geeignete Eltern Unterricht am Computer geben sollen - doch wann? Die wenigsten stehen nachmittags zur Verfügung, resümiert Jutta Forster. "Da ist mir Herbert Schmidt vom Internetcafé eingefallen. Wir sind ihm sehr dankbar."

 

Schmidt kann stolz auf zirka 20 Helfer im Internetcafé von Senioren für Senioren verweisen, die im Zweifelsfall immer einspringen würden. Doch zurzeit genügt einer, der sich zugleich als Fachmann und obendrein als äußerst gern gesehener Opa in der Burkarder Schule engagiert - ehrenamtlich, versteht sich. Nachdem die Kinder in der dritten Klasse eine Einführung in die ersten Arbeiten am Computer erhielten, ist er nun zuständig fürs Schreibprogramm. "Das muss Spaß machen", sagt er, und deshalb erwartet Weissinger keineswegs Dauerkonzentration, sondern erlebt die Begeisterung der Kinder und spornt sie noch an. Dazwischen ist ein bisschen Spielen am Computer angesagt. Er stellt den Kindern kleine Aufgaben - zum Beispiel, Ferienerlebnisse zu erzählen. Die schreiben sie dann ins Programm. Kai lernt dabei, über die Symbolleiste in "Word" Würfel ("Schatzkisten") zu bauen. Franca, die ihre Erlebnisse ganz bedächtig aufschreibt, möchte die Schrift bitte schön in einem farbigen Rahmen haben. Peter und Paul finden sowieso den Computer klasse, weil das Schreiben und Zeichnen viel schneller geht als mit der Hand, und Nicole ist richtig angetan vom Zehn-Finger-System.

Für maximal fünf Schüler gleichzeitig ist der Medien-Raum ausgestattet. Die Kinder lernen hier freiwillig - und opfern gerne ihre Pause für den Unterricht. Das ist Voraussetzung, damit die Klassleiterin noch eine weitere Viertelstunde aus dem differenzierten Unterricht dafür abgibt. Und auch ohne die Aufsicht von Paul Weissinger dürfen die Kinder unter der Woche jederzeit vor dem Unterricht oder während der Pausenzeit die Computer im Medienraum nutzen, so Schulleiterin Jutta Forster. Das funktioniert nun schon über ein halbes Jahr hervorragend.

Paul Weissinger war Wirtschaftsingenieur und verbrachte 36 Berufsjahre bei IBM. Im Ruhestand gründete er seine Firma PCT (PersonalComputerTraining) und erteilt PC-Schulungen. Einmal wöchentlich kommt er in die Burkarder Schule, inzwischen auch noch in die Adalbert-Stifter-Schule - weil dort seine Enkelin zur Schule geht, die Wert darauf legte, dass Opa dort auch unterrichtet  . . . Demnächst besuchen die Schüler ihrerseits das Internetcafé im Caritas-Seniorenzentrum St. Thekla am Ludwigkai.

Für die Schulleiterin ist es wichtig, dass die Kinder nicht nur "irgendwie unkontrolliert" am Computer agieren, sondern mit dem Computer arbeiten lernen. Schmidt geht es um den Gedankenaustausch unter den Anwendern, die - je nach Alter - völlig unterschiedliche Interessen am Computer zeigen. Senioren zum Beispiel holen sich eine weite Palette von Informationen aus dem Internet, machen mit Internet-Hilfe Reisepläne, pflegen die Kommunikation, um der Vereinsamung im Alter entgegenzuwirken, und sie interessieren sich freilich auch für Text- und Bildbearbeitung. Demnächst treffen sich die Internet-Senioren mit Jugendlichen, um deren Ideen kennen zu lernen. Fast sieht es so aus, als würden neue Familien-Bande geschaffen. Übers Netz.

 
Von unserem Redaktionsmitglied Regina Urbon